Schwarzwald-Baar-Heuberg

Landwirtschaft kann mehr Photovoltaik

Photovoltaik-Netzwerk Schwarzwald-Baar-Heuberg informiert über Einsatzmöglichkeiten von PV für landwirtschaftliche Betriebe – Sonnenenergie senkt Stromkosten

Wurmlingen, 30.01.2020: Die Resonanz an diesem Abend in der Eltahalle in Wurmlingen war für die Veranstalter wenig überraschend. Über Fünfzig Besucherinnen und Besucher wollten wissen, was sie auf ihren landwirtschaftlichen Betrieben unternehmen können, um Stromkosten zu senken und wie Solarstrom zukünftig eingesetzt werden kann. Dimitri Vedel, Projektkoordinator des PV-Netzwerks Schwarzwald-Baar-Heuberg von der Bodensee-Stiftung, beschrieb in seiner Begrüßung die Situation. „Immer häufiger wird die Forderung laut, dass die Landwirtschaft ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten muss“, so Vedel „dabei sind schon heute zahlreiche Dächer von Scheunen, Ställen und Wohnhäusern mit Solaranlagen ausgestattet.“ Seit ein paar Jahren hingegen wird der Ausbau nicht mehr mit der Dynamik fortgeführt, wie es für die Energiewende nötig wäre und wie es in der Vergangenheit der Fall war. Grund ist oftmals ein falscher Eindruck, dass es sich heute nicht mehr lohne, Solaranlagen zu installieren, und auch die Vergütung erscheint kompliziert.

Unter der Moderation von Tobias Bacher, Geschäftsführer der Energieagentur Schwarzwald-Baar, haben Florian Reyer von der Hofgemeinschaft Heggelbach aus Herdwangen-Schönach und Jörg Dürr-Pucher, Geschäftsführer der Clean Energy GmbH, einem Erneuerbare Energien Beratungsbüro aus Radolfzell, einen Ausblick in zukünftige Einsatzmöglichkeiten von PV in der Landwirtschaft gewagt und konkrete Maßnahmen vorgestellt, wie sich bereits heute Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz vereinbaren lassen.

Sonnenenergie für landwirtschaftliche Betriebe zukünftig nutzen

„Angesichts der Flächenknappheit hier in Süddeutschland kann eine Doppeltnutzung der Flächen sinnvoll sein,“ leitete Florian Reyer ein und zeigte in seinem bebilderten Vortrag die aufgeständerte Agro-PV Anlage. „Wenn dann der produzierte Strom auch selbst genutzt wird, dann kann sich das ganze Projekt wirtschaftlich darstellen lassen!“ so Reyer weiter. Auf der Hofgemeinschaft wird zum Beispiel erprobt, wie E-Mobilität oder verschiedene Batteriesysteme für den landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt werden können. Das gesamte Vorhaben profitiert von besonderen Förderungen und wird wissenschaftlich begleitet. Florian Reyer ist aber davon überzeugt „Heute sind wir vielleicht noch Vorreiter, aber zukünftig wird Strom aus PV-Anlagen für die wirtschaftliche und effiziente Arbeit auf jedem Hof von größter Bedeutung sein!“

PV-Strom ist wirtschaftlich

Jörg Dürr-Pucher kann in seiner über 25-jährigen Berufs- und Beratererfahrung die vorangegangenen Schilderungen nur bestätigen „Früher galten die PV-Pioniere als Spinner und deren Dachanlagen wurden skeptisch beäugt,“ so Dürr-Pucher „heute sind PV-Anlagen allgegenwärtig und genießen eine hohe Akzeptanz!“ In seinen Ausführungen beschrieb Dürr-Pucher wie sich zum Beispiel die Eigenstromnutzung rechne. Welche verschiedenen Betreibermodelle denkbar sind, wenn auf sehr großen Dachflächen ein Betrieb nicht selbst investieren will, nannte Dürr-Pucher und gab einen Überblick welche Förderungen, die Umsetzung erleichtern.

PV-Freiflächen in der Region abwägen

Auch das in der Landwirtschaft heikle Thema von PV-Freiflächen wurde diskutiert. Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion zu entnehmen, ist kritisch zu betrachten. Eine kategorische Ablehnung hingegen entzöge allerdings auch vielen Betrieben die Option, neue Geschäftsfelder und Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Für den Veranstalter, das PV-Netzwerk Schwarzwald-Baar-Heuberg, sind Solarparks ein Baustein, der über den Erfolg und Misserfolg der Energiewende im Süddeutschen Raum entscheiden wird. Was seit Jahren in Bayern im Konsens mit der Landwirtschaft gelingt, muss auch in Baden-Württemberg gelingen. Das PV-Netzwerk möchte hier ausgleichend mit Kommunen, Naturschutz und der Landwirtschaft den Weg bereiten, dass in der Region Solarparks gebaut werden können. Eine nächste Möglichkeit, sich darüber zu informieren, ist am 06.02.2020 in der neu errichteten Bifacialen-Senkrecht aufgeständerten Solaranlage in Donaueschingen.