Elektromobilität und Photovoltaik

Ladestrom selbst erzeugen durch Photovoltaik

 

Eigenstromnutzung mit Hilfe einer Photovoltaikanlage lohnt sich! Wenn die Sonne scheint, produziert die PV-Anlage zuverlässig regenerativen Strom. Der Strom, der nicht selbst verbraucht werden kann, wird ins öffentliche Netz eingespeist. Wer die PV-Anlage nun mit einem Elektroauto verknüpft, profitiert doppelt: Er steigert den Eigenverbrauch seines Solarstroms und lädt sein E-Auto günstig mit der Kraft der Sonne.

Vor ein paar Jahren noch war das Einspeisen von Solarstrom ein lukratives Geschäft für die Anlagenbetreiber – wegen der attraktiven staatlichen Einspeisevergütung. Mittlerweile sind die Modulpreise und die Investitionskosten einer PV-Anlage stark gesunken, aber auch die Einspeisevergütung. Jetzt kostet der Strom aus dem Netz mehr, als das was man für den eingespeisten Strom bekommt. Damit ist es lukrativer die Energie von der eigenen Anlage zu nutzen als teuer aus dem Netz zuzukaufen.

Auch die Allgemeinheit profitiert: Wird der PV-Strom direkt in das Auto geladen, entlastet das das öffentliche Stromnetz und verringert den Netzausbau.

Wieso sich jetzt ein Elektroauto mit PV-Anlage lohnt?
Der Staat unterstützt den Umstieg mit einer Elektroauto-Prämie von 4.000 Euro (Kaufpreis unter 60.000 Euro) und belohnt das obendrein mit einer Steuerbefreiung. Der Eigenverbrauch bei einer PV-Anlage ohne Solarbatterie beträgt im privaten Haushalt in der Regel bis zu 30 Prozent – abhängig vor allem vom Verbrauchsverhalten. Um mehr Strom selbst verbrauchen zu können, werden oft Heimspeicher eingebaut. Richtig wirtschaftlich sind diese noch nicht. Stattdessen können Sie die Batterie von Ihrem E-Auto speisen. Wird das Auto tagsüber geladen kann der Eigenverbrauch auf 40-50% steigen. Aber auch wenn das Auto tagsüber bei der Arbeit steht und nur an freien Tagen und am Wochenende mit eigenem PV-Strom geladen werden kann, sind die Energiekosten pro Kilometer günstiger als mit Benzin und Diesel.
Heutige Elektromobile brauchen im Durchschnitt zwischen 13 und 20 kWh/ 100 km. Das entspricht etwa 1,3 - 2 Litern Benzin. Beim derzeitigen Strompreis von annähernd 30 Cent pro Kilowattstunde brutto, kosten 100 Kilometer im E-Auto beim Tanken an der eigenen Steckdose also gerade einmal 4 - 6 Euro.

Die naheliegendste Möglichkeit Solarstrom zu verwerten ist, ihn im eigenen Haus oder Unternehmen selbst zu nutzen. Doch nicht immer ist dies rechtlich möglich oder technisch bzw. finanziell umsetzbar. Je nach Anlagengröße und -alter sowie Eigentums- und Nutzungsverhältnissen im Gebäude gilt es, die Rahmenbedingungen genau unter die Lupe zu nehmen.

Wann lohnt sich Eigenstromverbrauch?
Grundsätzlich gilt: Wenn der Einkaufspreis für Strom höher ist als der Verkaufspreis für den erzeugten Solarstrom („Einspeisevergütung“), lohnt es sich den Strom selbst zu verbrauchen. Um die Eigenstromnutzung weiter zu erhöhen bietet sich eine Speicherung in PV-Batteriespeicher oder die Nutzung für Elektromobile, an.

• Anlagen < 10 kWp: bei Eigenverbrauchten Strom fällt keine EEG-Umlage an

• Anlagen > 10 kWp: Bei Anlagen über 10 Kilowatt Peak muss auf jede selbst verbrauchte Kilowattstunde 40 Prozent der EEG-Umlage abgeführt werden (Stand BNetzA 2020: 2,7 Cent). In obigem Beispiel wäre der Preisvorteil beim Eigenverbrauch also immer noch 12,3 Cent. Für nicht selbst verbrauchten Strom erhält das Unternehmen eine Einspeisevergütung.

Zum Vergleich:
Im Benziner müssen Sie für diese Strecke mit ca. 8 Euro rechnen. Wer sein Elektroauto mit Strom aus der eigenen PV-Anlage tankt, spart sogar noch mehr. Bei Gestehungskosten von ungefähr 12 Cent für jede eigenerzeugte Kilowattstunde Solarstrom kosten 100 Kilometer dann nur noch 1,60 - 2,40 Euro.

Ladeinfrastruktur schaffen - aber wie?
Die meisten Fahrzeuge werden noch immer zu Haus geladen, meistens einfach über Nacht in der Garage. Dafür kann entweder eine Schuko-Steckdose, die für den Ladestrom ausgelegt ist, eine Wallbox oder eine andere Lademöglichkeiten genutzt werden. Im Einfamilienhaus ist das einfach zu realisieren, hingegen stellt der Einbau im bestehenden Mehrfamilienhaus, bei Mietsgebäuden oder in Unternehmen oftmals ein vielschichtiges Problem dar. Der Einbau von Wallboxen, z.B. in einer größeren Tiefgarage, ist zwar keine bauliche Änderung aber:

Juristisches Hindernis bei nicht eindeutigen Besitzverhältnissen
Soll in einer Wohn-Eigentümergemeinschaft eine Ladeinfrastruktur eingebaut werden, wird dabei in der Praxis von einer Modernisierungsmaßnahme ausgegangen. Um dies umsetzen zu dürfen müssen 75 Prozent der Eigentümer der Maßnahme zustimmen.
Die Ladesäulen sollten mit einer Netzüberwachung und einem Lademanagement ausgestattet sein, so dass sichergestellt werden kann, dass keine Überlastung auftritt. Wird es eng im Netz, wird die Ladeleistung heruntergeregelt – der Stromverbrauch der Haushalte oder anderen Mitmietern hat Vorrang.

Juristische Schwachstelle: Definition des Letzt-verbrauchers des Ladestroms Verschiedene Gesetze = verschiedene Definitionen.

Im Energiewirtschaftsgesetz ist die Ladesäule der Letztverbraucher, im EEG ist es das Fahrzeug bzw. der Fahrer. Das spielt bei der Frage nach Eigenverbrauch oder Stromsteuerpflicht eine wichtige Rolle.
Gerade für Mietshäuser, Wohnungseigentümergemeinschaften oder Firmenparkplätze ist zuerst ein Konzept gefragt, das die Anzahl, Ladeleistungen und Platzierung der Ladepunkte berücksichtigen muss.

Wie kommt der Sonnenstrom ins Auto?
Außer der PV-Anlage und dem Auto benötigen Sie noch eine Übertragungsstation. Idealerweise ist das eine smarte Wallbox, die sich via PC, Tablet oder Smartphone steuern lässt und z.B. Zählerdaten der PV-Anlage oder Speicher ausliest. Eine smarte Ladesäule optimiert den Strombezug auf einen optimalen Eigenverbrauch hin. Ein Daten-Logger in Verbindung mit einer Schuko-Steckdose könnte diese Funktion auch übernehmen. Außerdem lassen sich Wallboxen in Smart-Home-Systeme integrieren und sind damit die Voraussetzung für ein intelligentes Lastmanagement.