Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg

Große regionale Unterschiede bei Nutzung der Ökostromtechnologie

Im vierten Quartal 2019 haben Hauseigentümer, Unternehmen und Kommunen im Südwesten Solarstromanlagen mit einer installierten Leistung von rund 87 Megawatt errichtet. Das Land verfügt nun im Ganzen über gut sechs Gigawatt installierter Photovoltaik-Leistung. Bei dem gewichtigen Segment Dachanlagen liegt der Zubau in der Region Bodensee-Oberschwaben an der Spitze unter den zwölf Südwestregionen: Damit wird in diesem Quartal diese Region Meister der neuen Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg. Pro Einwohner wurden in der Region um Ravensburg 11 Watt PV-Leistung pro Einwohner neu hinzugebaut. Auf Platz zwei folgt die Region Donau-Iller mit gut 10 Watt. Heilbronn-Franken und Ostwürttemberg kommen auf den dritten Rang mit gut 9 Watt. Besonders auffällig in der Rangliste ist der ungleichmäßige Zubau im Bundesland.

Die Photovoltaik-Liga ist eine Rangliste der beim Solarstromausbau erfolgreichsten Regionen, Landkreise und Kommunen im Südwesten. Erstellt wird die quartalsweise aktualisierte Liste, indem die gesamt installierte Photovoltaik-Leistung und die im letzten Quartal neu zugebaute Leistung ausgewertet wird: Die Photovoltaik-Leistung auf Dächern wird in Watt pro Einwohner angegeben und die von Freiflächenanlagen in Watt pro Hektar umgerechnet. Das macht Regionen mit unterschiedlicher Bevölkerungsdichte und Größe miteinander vergleichbar. Die Daten basieren auf den Daten der Bundesnetzagentur für neue Anlagen im Jahr 2019 und der LUBW für Bestandsanlagen bis 2018. Darin teilweise vorhandene offensichtliche Unstimmigkeiten wie zum Beispiel Leistungsangaben in Watt statt Kilowatt und falsche Zuordnung zu Postleitzahl und Gemeindeschlüssel wurden soweit wie möglich bereinigt. Trotz sorgfältiger Auswertung sind weitere fehlerhafte Zuordnungen aufgrund der Datenlage nicht ausgeschlossen. Stand der Daten: März 2020    

Die Karten der Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg zeigen den Zubau an neu installierter Photovoltaik-Leistung im vierten Quartal 2019, in Watt Peak (Wp) pro Einwohner der Photovoltaik-Anlagen auf Dächern nach Regionen und Landkreisen.

Zubau nach Landkreisen

Im nebenstehende Diagramm sind die Landkreise sortiert nach dem Zubau an PV-Leistung pro Einwohner im vierten Quartal 2019. Die blauen Balken zeigen an wieviel PV bis Ende des dritten Quartals zugebaut war. Die gelben Balken stellen den Zubau im vierten Quartal dar. Wie in der Vergangenheit rangieren weiterhin die Stadtkreise auch beim Zubau am Ende der Tabelle.

Weiterhin Ost-West-Gefälle bei Dachanlagen

Die Verteilung der neu errichteten Dachanlagen im Südwesten ist extrem ungleichmäßig: Während im Osten des Landes gute Zubauraten vorherrschen, sieht es im restlichen Land hin eher mau aus. Die Regionen mit den meisten Einwohnern pro Fläche, Regionen Stuttgart, Rhein-Neckar und Mittlerer Oberrhein kommen nur auf einen Zubau zwischen 3,4 und 5,8 Watt pro Einwohner – das ist rund zwei- bis dreimal weniger als in den Spitzenregionen. Ein ähnliches Bild bietet sich auch beim seit dem Jahr 2000 errichteten Anlagenbestand auf den Dächern. Hier liegt Donau-Iller mit 1.068 Watt pro Einwohner auf Platz eins. Die Region Stuttgart ist das Schlusslicht mit 237 Watt.
Ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für den großen Vorsprung des östlichen Landesteils ist die geringere Bevölkerungsdichte als in den Metropolregionen. Auf Dächern von Einfamilienhäusern und Bauernhöfen ist mehr Platz für Photovoltaik pro Einwohner als auf Mehrfamilienhäusern. Außerdem sind die Entscheidungswege bis zum Bau einer Solaranlage in diesen Fällen einfacher. Gehört eine Immobilie mehreren Parteien, ist das wegen der nötigen Zustimmung aller Beteiligten deutlich schwieriger. Das große Potenzial auf Mehrfamilienhäusern, vor allem aber von Gewerbegebäuden und Industriebauten ist noch längst nicht ausgeschöpft. Auch für Gewerbegebäude ist der Strom vom eigenen Dach heute oft günstiger als der vom Versorger.

Freiflächenanlagen: 19 MWp Zubau im vierten Quartal 2019

Nebenstehendes Balkendiagramm zeigt die installierte Leistung zum Ende des dritten Quartals  in Blau und dem Zubau im 4. Quartal 2019  in Gelb. Die Regionen sind sortiert nach der Höhe des Zubaus in den letzten drei Monaten.

Freiflächensolaranlagen: Region Rhein-Neckar hat dieses Quartal größten Zubau mit 29 W/ha

Richtet sich der Fokus auf das Segment Freiflächenanlagen, hat in diesem Quartal die Region Rhein-Neckar mit der dritthöchsten Bevölkerungsdichte im Land mit 29,2 Watt pro Hektar beim Zubau die Nase vorn. Bezugsgröße ist hier die Fläche der Region. Platz zwei und drei gehen mit Bodensee-Oberschwaben und Ostwürttemberg wieder in den Osten des Landes.

Betrachtet man bestehende und neue Freiflächenanlagen gemeinsam, stehen an der Spitze wieder alte Bekannte: Ostwürttemberg, Heilbronn-Franken, und Donau-Iller. Sie kommen auf rund 218 bis über 250 Watt pro Hektar. Aber auch hier holt die Region Rhein-Neckar auf. Sie liegt mit knapp 214 Watt pro Hektar dicht an dem Führungstrio. Das zeigt, dass es auch in dichter besiedelten Regionen noch geeignete Flächen für Freiflächen-PV gibt.
 

Durchschnittlicher Jahresstromverbaruch: 6.520 kWh Strom pro Kopf und Jahr in Baden-Württemberg

Der Bruttostromverbrauch pro Kopf beträgt derzeit in Baden-Württemberg 6.520 kWh pro Jahr. Um diesen Strom komplett über Photovoltaik zu erzeugen, müsste für jeden Einwohner eine Leistung von 6,5 kWp installiert werden. Das entspricht einer Fläche von  circa 33 Quadratmetern Photovoltaik-Modulen. Bei dieser Betrachtung ist noch nicht berücksichtigt, dass künftig mehr erneuerbarer Strom benötigt wird, um die fossilen Brennstoffe im Verkehr und zur Beheizung der Gebäude zu ersetzen.