Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg

Große regionale Unterschiede bei Nutzung der Ökostromtechnologie

Im ersten Quartal 2020 haben Hauseigentümer, Unternehmen und Kommunen im Südwesten Solarstromanlagen mit einer installierten Leistung von rund 112 Megawatt errichtet, das ist ein Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem vierten Quartal von 2019. Das Land verfügt nun im Ganzen über gut sechs Gigawatt installierter Photovoltaik-Leistung. Bei dem gewichtigen Segment Dachanlagen liegt der Zubau in der Region Donau-Iller an der Spitze unter den zwölf Südwestregionen: Damit wird in diesem Quartal diese Region Meister der neuen Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg. Pro Einwohner wurden in der Region um Ulm fast 21 Watt PV-Leistung pro Einwohner neu hinzugebaut. Auf Platz zwei folgt die Region Bodensee-Oberschwaben mit 18 Watt. Heilbronn-Franken kommt auf den dritten Rang mit gut 14 Watt. Besonders auffällig in der Rangliste ist der ungleichmäßige Zubau im Bundesland.

Die Photovoltaik-Liga ist eine Rangliste der beim Solarstromausbau erfolgreichsten Regionen, Landkreise und Kommunen im Südwesten. Erstellt wird die quartalsweise aktualisierte Liste, indem die gesamt installierte Photovoltaik-Leistung und die im letzten Quartal neu zugebaute Leistung ausgewertet wird: Die Photovoltaik-Leistung auf Dächern wird in Watt pro Einwohner angegeben und die von Freiflächenanlagen in Watt pro Hektar umgerechnet. Das macht Regionen mit unterschiedlicher Bevölkerungsdichte und Größe miteinander vergleichbar. Die Daten basieren auf den Daten der Bundesnetzagentur für neue Anlagen ab dem Jahr 2019 und der LUBW für Bestandsanlagen bis 2018. Darin teilweise vorhandene offensichtliche Unstimmigkeiten wie zum Beispiel Leistungsangaben in Watt statt Kilowatt und falsche Zuordnung zu Postleitzahl und Gemeindeschlüssel wurden soweit wie möglich bereinigt. Trotz sorgfältiger Auswertung sind weitere fehlerhafte Zuordnungen aufgrund der Datenlage nicht ausgeschlossen. Stand der Daten: Mai 2020  

Die Karten der Photovoltaik-Liga Baden-Württemberg zeigen den Zubau an neu installierter Photovoltaik-Leistung im ersten Quartal 2020, in Watt Peak (Wp) pro Einwohner der Photovoltaik-Anlagen auf Dächern nach Regionen und Landkreisen.

Zubau nach Landkreisen

Abbildung 3 zeigt den Zubau an PV-Leistung pro Einwohner im ersten Quartal 2020 in den Landkreisen. Die blauen Balken zeigen an, wieviel PV bis Ende des vierten Quartals 2019 zugebaut war. Die gelben Balken stellen den Zubau im vierten Quartal dar. Bis auf den absoluten Sieger in diesem Quartal, die Stadt Baden-Baden, rangieren die Stadtkreise, wie in der Vergangenheit auch, am Ende der Tabelle.

Weiterhin Ost-West-Gefälle bei Dachanlagen

Die Verteilung der neu errichteten Dachanlagen im Südwesten ist wie in der Vergangenheit ungleichmäßig: Im Osten des Landes überwiegen sehr gute Zubauraten, aber auch im restlichen Land ziehen die Zubauzahlen an. Die Regionen mit den meisten Einwohnern pro Fläche, die Regionen Stuttgart, Rhein-Neckar und Mittlerer Oberrhein kommen immerhin auf einen Zubau zwischen 5,6 und 6,2 Watt pro Einwohner – das ist rund zwei- bis dreimal weniger als in den Spitzenregionen, aber immerhin 1-2 Watt pro Einwohner mehr als im vergangenen Quartal. Ein ähnliches Bild bietet sich auch beim seit dem Jahr 2000 errichteten Anlagenbestand auf den Dächern. Hier liegt Donau-Iller mit 1.089 Watt pro Einwohner auf Platz eins. Die Region Stuttgart ist das Schlusslicht mit 243 Watt.
Ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für den großen Vorsprung des östlichen Landesteils ist die geringere Bevölkerungsdichte im Vergleich zu den Metropolregionen. Auf Dächern von Einfamilienhäusern und Bauernhöfen ist mehr Platz für Photovoltaik pro Einwohner als auf Mehrfamilienhäusern. Außerdem sind die Entscheidungswege bis zum Bau einer Solaranlage in diesen Fällen einfacher. Gehört eine Immobilie mehreren Parteien, ist das wegen der nötigen Zustimmung aller Beteiligten deutlich schwieriger. Das große Potenzial auf Mehrfamilienhäusern, vor allem aber von Gewerbegebäuden und Industriebauten ist noch längst nicht ausgeschöpft. Auch fürs Gewerbe ist der Strom vom eigenen Dach heute oft günstiger als der vom Versorger.

Freiflächenanlagen: knapp 6 MWp Zubau im ersten Quartal 2020

Abbildung 4 zeigt die installierte Leistung zum Ende des vierten Quartals 2019 in blau und dem Zubau im ersten Quartal 2020  in gelb. Die Regionen sind sortiert nach der Höhe des Zubaus in den vergangenen drei Monaten.

Freiflächensolaranlagen: Region Heilbronn-Franken hat in diesem Quartal den größten Zubau mit 7,2 W/ha

Richtet sich der Fokus auf das Segment Freiflächenanlagen, hat in diesem Quartal die Region Heilbronn-Franken mit 7,2 Watt pro Hektar beim Zubau die Nase vorn. Bezugsgröße ist hier die Fläche der Region. Platz zwei und drei gehen in diesem Quartal an die Regionen Schwarzwald-Baar-Heuberg und Südlicher Oberrhein.

Betrachtet man bestehende und neue Freiflächenanlagen gemeinsam, hat sich an der Spitze gegenüber dem vergangenen Quartal nichts verändert: Ostwürttemberg, Heilbronn-Franken, und Donau-Iller. Sie kommen auf rund 218 bis über 250 Watt pro Hektar.

Durchschnittlicher Jahrestromverbaruch: 6.520 kWh Strom pro Kopf und Jahr in Baden-Württemberg

Der Bruttostromverbrauch pro Kopf beträgt derzeit in Baden-Württemberg 6.520 kWh pro Jahr. Um diesen Strom komplett über Photovoltaik zu erzeugen, müsste für jeden Einwohner eine Leistung von 6,5 kWp installiert werden. Das entspricht einer Fläche von  circa 33 Quadratmetern Photovoltaik-Modulen. Bei dieser Betrachtung ist noch nicht berücksichtigt, dass künftig mehr erneuerbarer Strom benötigt wird, um die fossilen Brennstoffe im Verkehr und zur Beheizung der Gebäude zu ersetzen.